Nach der anstrengenden Reise nach Peking und Xi'An hatten wir eine erholsame Nacht im eigenen Bett. Am letzten Sonntag sind wir dann innerhalb der WG umgezogen in das Zimmer, das eigentlich für uns vorgesehen war. Dies ist etwas gemütlicher eingerichtet und hat mehr Strauraum. Sonntag Abend haben wir uns dann wieder in den Nachtzug gesetzt, diesmal nach Hong Kong. Die Fahrt war recht lang und hat mit leichter Verspätung knapp 20 Stunden in Anspruch genommen, was gerade noch im Rahmen ist. Länger müsste zumindest ich persönlich nicht mit dem Zug reisen.
In Hong Kong angekommen haben wir unsere Sachen zuerst im Hostel abgestellt. Dies war direkt im Stadtzentrum von Kowloon gelegen, dem neueren Teil Hongkongs. Es war sauber und der Besitzer sehr freundlich, jedoch war es von der Einrichtung eher ein Hostel und nicht so gemütlich wie unsere Unterkunft in Peking. Nach unserer Ankunft war es schon späterer Nachmittag, sodass wir nicht mehr so viel Zeit hatten. Wir haben uns zuerst beim Tourist Office mit Infomaterial und Karten eingedeckt und haben uns dann den Stadtteil Kowloon angeschaut. Dieser ist zum einen geprägt von sehr bunten Leuchtreklamen an Hochhäusern und zum anderen durch eine schöne Uferpromenade mit Blick auf den älteren Teil Hongkongs und einem klassischen Uhrenturm. Hier sind wir einfach eine Weile entlang gelaufen und haben den Blick genossen, bevor wir durch das bunte Treiben des Stadtzentrums gelaufen sind. Schaut man sich nur die Erdgeschosse an, wirkt Hong Kong hier sehr modern, westlich und schick. Wirft man jedoch einen Blick nach oben auf die höheren Stockwerke, sieht man, dass die meisten Fassaden dringend einen neuen Anstrich benötigen würden und auch sonst oft heruntergekommen sind. Besonders erwähnenswert finde ich den Kowloon Park, eine sehr schön gestaltete Anlage fast gegenüber unseres Hostels. Hier findet man umgeben von Blumenbeeten und Sträuchern sogar ein Schwimmbad mit toller Freibadanlage und viel Ruhe von der Stadt.
Den zweiten Tag, Dienstag, haben wir im älteren Teil Hong Kongs, Central, verbracht. Hier haben wir eine Hopp-on / Hopp-off Bustour gemacht, bei der wir alle wichtigen Punkte der Stadt angefahren haben und bei den Sehenswürdigkeiten, die uns interessiert haben, ausgestiegen sind.
Zuerst haben wir einen Tempel besucht, der allerdings bei weitem nicht so beeindruckend war wie die Tempel Shanghais oder Pekings. Unsere zweite Station war der Victoria Habour. Eigentlich ein schöner Hafen, jedoch ist dort zur Zeit eine riesige Baustele, so dass wir keinen freien Blick auf die Bucht hatten.
Im Anschluss daran haben wir uns zum Times Sqare Hong Kongs begeben, auch hier merkt man, wie die Stadt pulsiert. Ähnliches gilt für das Bankenviertel, in dem man viele imposante Hochhäuser findet. In einem der Hochhäuser, dem China Bank Tower, waren wir auf einer Aussichtsplattform und haben einen tollen Blick über die Stadt genossen.
Von hier sind wir erst durch einen kleinen Park gelaufen, haben anschließend eine Kirche besucht und sind dann zum Abschluss des Tages zur Peak Tram, einer auf alt gemachten Bahn, die Touristen auf einen der höchsten "Gipfel" Hongkongs bringt. Allein die Fahrt ist schon ein kleinen Erlebniss, denn die Steigung, die die Bahn bewältigt, presst einen fest in den Sitz. Oben angekommen hat man dann einen phantastischen Blick über die Skyline Hong Kongs. Hier haben wir dann auch eine ganze Weile verbracht und so die Stadt noch bei hellem und anschließend bei Nacht gesehen. Es war irgendwie fast unwirklich, auf dem Berg inmitten von Natur zu sein und unten dieses riesen Lichtermeer zu sehen.
Mittwochs haben wir uns dann zum letzten mal mit der Fähre nach Central-Hong Kong begeben. Hier haben wir uns noch kurz die Hong Konger Börse angeschaut (die nur mäßig spannend war) und sind anschließend nach Lamma Island gefahren, einer sehr naturbelassenen Insel Hong Kongs. Hier wird der Kontrast besonders deutlich von modener Großstadt und traditionellen Fischerdörfern. Die Hütten sehen teilweise so zugemüllt aus, dass man sich gar nicht vorstellen kann, dass hier Menschen leben. Dafür ist die Vegetation imposant. Wir haben in einem etwa zweistündigen Spaziergang das Innere der Insel erkundet. Hier haben wir viele schöne Schmetterlinge gesehen, Bäume und andere Pflanzen, wie man sie sich in den Tropen vorstellt und konnten durch die Tatsache, dass die Insel sehr hügelig ist auch einen guten Ausblick über die Insel selbst und auch über Hong Kong Stadt genießen. Einzig auf die Begegnung mit einigen Mosquitos hätte ich verzichten können - die Biester sind deutlich agressiver als ihre Deutschen Kollegen und so waren die Stiche so heftig, dass mein rechter Knöchel durch sie fast auf seinen doppelten Umfang angeschwollen ist.
Nach diesem Ausflug ins Grüne Hong Kongs ging es zurück auf die Hauptinsel und von dort ins Glücksspiel-Paradies Macau. Dies ist von Hong Kong aus sehr gut mit der Fähre in etwa einer Stunde erreichtbar. Als Abwechslung zu den Jugendherbergen hatten wir hier ein richtiges 3*-Hotel - purer Luxus für Studenten :-). Nachdem wir uns umgezogen haben ging es los Richtung Kitsch-Welt. Wir waren in einem halben Dutzend verschiedenen Kasinos. Jedes hatte seinen ganz eigenen Stil. Nachdem das erste recht klein und ruhig war wurde es von Casino zu Casino immer größer, bunter und lebhafter. Da keiner von uns auch nur ansatzweise weiß, wie die Poker-Regeln sind, haben wir uns mit Zuschauen begnügt, aber auch das war interessant genug. Nach 3-4 Stunden hatten wir dann aber genug von dem bunten Treiben und sind zurück ins Hotel.
Am nächsten Morgen, dem letzten Tag unserer Reise, haben wir uns die Altstadt Macaus angeschaut. Diese ist Weltkulturerbe und hat uns beiden sehr gut gefallen. Sie ist im portugiesischen Kolonialstil gestaltet und man findet eine Kirche neben der anderen - was auf den portugisischen Wurzeln des Landes fußt. Leider war der Tag sehr verregnet, sodass wir den Großteil der Zeit irgendwo unterstanden und leider nicht so viel gesehen haben. So war es dann auch nicht so schlimm, dass wir gegen 3 Uhr zur Fähre sind, die uns zum Flughafen nach Shenzhen gebracht hat. Hier haben wir noch einige Zeit auf unseren verspäteten Flug gewartet und sind dann mitten in der Nacht wieder in Shanghai gelandet.
Nun bin ich mit Packen beschäftigt, denn morgen geht es für mich wieder gen Heimat. Holger sortiert derzeit die Bilder, damit ihr auch bald einen visuellen Eindruck unserer Ausflüge bekommt.
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