Samstag, 1. Mai 2010

Peking und Xi'An

Nachdem wir müde aber heil aus HongKong und Macau zurück gekommen sind folgen hier die versprochenen Berichte.
Montag vor zwei Wochen sind wir mit dem Nachtzug nach Peking gefahren. Dies ist eine recht bequeme Möglichkeit ohne Zeitverlust zu reisen, da man abends gegen 9 Uhr los fährt und morgens zwischen 7 und 8 Uhr ankommt. Geschlafen haben wir so lala, da es doch nicht jedermanns Sache ist, bei dem Geruckel des Zuges zu schlafen und außerdem manche unserer Abteilgenossen ziemlich geschnarcht haben.Nachdem wir unsere sieben Sachen im Hostel abgestellt hatten - das übrigens vom Standard her sehr gut war und fast Hotel-Charakter hatte - haben wir uns in die Stadt begeben.
Unsere Besichtigungstour haben wir am Platz des himmlischen Friedens - einer der Top-Sehenswürdigkeiten in Peking - begonnen. Hierzu muss man sagen, dass der Platz vor allem von historischer Bedeutung ist, da Mao hier die Volksrepublik China ausgerufen hat. Sonst ist es aber einfach nur ein Platz und nichts weiter Besonderes oder Schönes. Im Anschluss sind wir nach Süden zum Tempel of Heaven (Himmelstempel) gelaufen. Dieser ist vor allem schön durch das weitläufige Gelände. Auch die Tempel-Hallen an sich sind interessant. Insbesondere die erhöht stehende runde Halle weist eine sehr eigene Architektur auf. Und das weitläufige grüne Gelände bietet eine schöne Abwechselung zur Stadt. Nachdem wir ca. 2 Stunden hier verbracht hatten, waren wir etwas unter Zeitdruck und wollten schnell zur Verbotenen Stadt. Hier haben wir uns dann von einer Art Rikschah-Fahrer hinbringen lassen. Nachdem er anfangs 30RMB (3 €) als Preis genannt hatte, wollte er beim aussteigen 300RMB (30€) von uns - die wir ihm natürlich nicht gegeben haben, 30 RMB sind für so eine Fahrt schon verhältnismäßig teuer. Aber an so Erlebnissen sieht man, dass doch ständig versucht wird, Touristen über den Tisch zu ziehen.An der verbotenen Stadt, dem alten Kaiserpalast, der für den "normalen" Pekinger verboten war, hatten wir dann noch ca. 2 1/2 Stunden um uns das Gelände anzuschauen. Das klingt zwar viel, aber die ganze Palast-Anlage ist enorm groß und in vielen der Gebäuden sind Ausstellungen alter Münzen, Kalligraphien, Porzellan und ähnlichem, so dass man einen vollen Tag bräuchte, um alles anzuschauen. So haben wir in die meisten Austellungen nur einen kurzen Blick geworfen und uns mehr auf die eigentlich Anlagen konzentriert, die richtig schön sind. Vor allem der Garten am Ende der Stadt ist sehr sehenswert. Leider mussten wir hier fast "durchhetzen", da die Verbotene Stadt um 5 Uhr geschlossen wurde. Nachdem wir abends dank der kurzen Öffnungszeiten keine weiteren Tempel anschauen konnten sind wir in den Jingshan Park gegangen, der sich nördlich der verbotenen Stadt befindet. Auf einem kleinen Hügel im Park stehen einige Pagoden. Hier sind wir hochgelaufen und hatten einen wunderschönen Ausblick über die verbotene Stadt und den Rest Pekings und haben so den Tag ausklingen lassen.
Am Mittwoch stand dann der Besuch der chinesischen Mauer auf dem Plan. Hierzu sind wir ca. eine Stunde mit dem Zug nach Badaling gefahren, einem sehr touristischen aber auch sehr schönen Abschnitt der Mauer. Leider hatten wir etwas Pech mit dem Wetter: als wir aus dem Zug gestiegen sind hat es ziemlich geregnet, so dass wir uns mit Regenschirmen an den Aufstieg machen mussten. Vom Eingang aus hat man die Wahl nach rechts oder nach links zu gehen. Auf beiden Seiten kann man ca. 1 km auf der Mauer laufen. Die rechte Seite ist nicht so steil und außerdem fährt hier auch eine Seilbahn hoch - entsprechend sind auf dieser Seite recht viele Menschen. So haben wir uns entschieden, die linke Seite zu besteigen - was teilweise gar nicht so einfach war, denn manche Abschnitte waren einfach nur steil. Außerdem sind die Treppen nicht unbedingt bequem zu laufen: manche Stufen sind so klein, dass es sich eigentlich nicht gelohnt hat, eine Stufe zu bauen, andere sind fast einen halben Meter hoch. Nichtsdestotroz hat die Mühe sich gelohnt, denn wenn man einige hundert Meter geklettert ist, ist man fast alleine auf der Mauer und hat eine wunderbare Aussicht über das Gebirge und die Mauer. Glücklicherweise hat es nach einiger Zeit auch aufgehört zu regnen, was doch von Vorteil war, da einige Abschnitte durch die Nässe recht rutschig waren.Nach 2-3 Stunden an der Mauer sind wir dann mit dem Zug zurück nach Peking gefahren. Abends haben wir uns dann dort einen Essensmarkt angeschaut. Hier wurden die interessantesten Gerichte, die ich je gesehen habe, angeboten. Das meiste will man wohl nicht unbedingt essen, aber es ist ein Erlebnis zu sehen, was dort alles verzehrt wird. Die Küche reicht von Seesternen über Käfer bis hin zu Baby-Kraken, die am Spieß gegrillt und tatsächlich von manchen Leuten gegessen werden. Wir haben uns dann doch lieber auf vegetarische Nudeln beschränkt :-).
Donnerstag war dann unser letzter Tag in Peking. Hier haben wir uns morgens dem Tempel der weißen Wolke angeschaut. Mir hat die riesige Anlage vor allem aufgrund der ruhigen Atmosphäre gefallen. Der Tempel scheint eher ein Geheimtipp zu sein und war nicht so touristisch.Im Anschluss daran sind wir zum Lama Temple gefahren, einer etwas touristischeren Anlage, bekannt vor allem durch einen enorm hohen Buddha (etwa 27 Meter), der, wenn man den Chinesen glauben schenken darf, aus einem einzigen Stück Holz geschnitzt wurde. Nach diesem beeindruckenden Anblick sind wir dann zum Sommerpalast gefahren, der Sommerresidenz der Kaiser. Diese liegt etwas außerhalb der Stadt und ist ein weiteres Must-See. Der Palast liegt in einer wunderschönen, zum Teil hügeligen Parkanlange, so dass man eine wunderbare Aussicht genießen kann. Im Herzen der Anlage befindet sich ein großer See. Hier kann man eine Weile flanieren und immer wieder neue Perspektiven genießen. Das haben wir dann auch gemacht, sodass wir erst gegen 5 Uhr an den Sehenswürdigkeiten des Sommerpalastes waren, die noch mal extra Eintritt kosten. In unserem Reiseführer stand, der Park hätte bis 9 Uhr offen, weswegen wir uns hier viel Zeit gelassen haben. Der Park hat auch so lange offen, allerdings nicht die zusätzlichen Sehenswürdigkeiten. Diese haben - wie auch die meisten Tempel - um 5 Uhr geschlossen, sodass wir sie dann natürlich nicht mehr anschauen konnten. Etwas ärgerlich, aber was will man machen. Wenn einem falsche Öffnungszeiten genannt werden, hilft auch die beste Zeitplanung nicht. So sind wir noch ein wenig spazieren gegangen und gegen Abend weiter zu unserem nächsten Nachtzug, der uns nach Xi'An gebracht hat.
Dank einem heftigen Schnarcher war die Nacht wieder etwas kurz, aber der Zug ist pünkltich um kurz nach 8 in Xi'An angekommen, sodass wir einen vollen Tag hatten, um uns alles anzuschauen. Zuerst sind wir mit einem der normalen Stadtbusse für ca. 70 cent zur Terrakottaarmee gefahren, die sich etwa eine Stunde außerhalb der Stadt befindet. Es ist unheimlich beeindruckend zu sehen, wie viele dieser lebensgroßen Terrakottakrieger die Chinesen vor tausenden von Jahren hergestellt haben. Viele sind übrigens noch nicht ausgegraben, so dass man den Archäologen zusehen kann, wie sie die Scherben (denn viele der Figuren sind zerbrochen) zusammensetzen.
Gegen Mittag sind wir dann zurück in die Stadt gefahren und hier zur großen Wildgans-Pagode gelaufen. Die Stadt an sich ist sehr schön - nicht so modern, wie Shanghai, aber liebevoll angelegt und die Menschen waren sehr offen und in einer freundlichen Weise neugierig. Immer wieder haben uns Schulkinder mit einem großen Lächen zugewunkten oder ein lautes "Hello" zugerufen. Nach einem eineinhalb stündigen Spaziergang sind wir bei der Wilgangspagode angekommen. Schon der Vorplatz ist mit einem monumentalen Wasserspiel und hübsch angelegter Grünanlage wunderschönen gestaltet. Die Pagode selbst bzw. der Tempel ist dann auch unheimlich beeindruckend. Vor allem die Farbgestaltung mit schwarz und einem sehr schönen, leuchtenden Gold ist einzigartig. So hat der lange Spaziergang sich wirklich gelohnt.Im Anschluss sind wir zur kleinen Wildganspagode gegangen, die allerdings schon geschlossen hatte. So sind wir noch ein bisschen durch die Stadt gelaufen, haben uns die alte Stadtmauer sowie die sehr schönen Glocken- und Trommelturm im Stadtzentrum angeschaut, bevor wir dann wieder zum Zug sind. Am nächsten Mittag sind wir dann, mit einiger Verspätung, in Shanghai angekommen und waren froh, nach dem vielen Reisen, eine Nacht im eigenen Bett zu verbringen, bevor es weiter ging nach Hong Kong und Macau.
Hiervon werden wir im folgenden Blogeintrag berichten.

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