Dienstag, 23. März 2010

Halbzeit

Mit Erschrecken muss ich feststellen, wie schnell die Zeit vergeht: meine drei Monate im Ausland sind schon zur Hälfte vorbei, in 6 Wochen fliege ich schon wieder nach Deutschland. Zwar freue ich mich auf die Heimat, doch werde ich die Andersartigkeit Shanghais vermissen.

Auch wenn es heute regnerisch ist, hatten wir die letzten Tage kein schlechtes Wetter und haben einiges unternommen:

Letzten Donnerstag haben wir uns den Jade Buddha Tempel angeschaut, einen der bekanntesten Tempel Shanghais. Er ist zwar sehr interessant und vor allem groß, jedoch zu touristisch aufgezogen. Es gibt fast mehr Souvenir- als Ausstellungs-Räume, was ich als etwas störend empfand. Im Anschluss an den Tempelbesuch sind wir durch ein Künstlerviertel in der Nähe gelaufen. Hier gibt es unglaublich viele Galerien, in denen zwar nicht alles schön ist, aber man findet doch auch sehr ansprechende Bilder. Vor allem eine Galerie mit Fotographien von Shanghai hatte viele schöne Bilder.
Am Freitag sind wir dann nach Pudong - dem Hochhausviertel Shanghais - gefahren und haben meinen Geburtstag nachgeholt: wir waren in der höchsten Bar der Welt im Jin Mao Tower. Von da aus hatte man einen beeindruckenden Ausblick über die Stadt. Allerdings war die Aussicht getrübt - die Stadt ist durch die vielen Baustellen einfach zu staubig für eine klare Sicht. Trotzdem war vor allem nach Sonnenuntergang der Blick über das Lichtermeer einzigartig. Der Blick auf den beleuchteten Oriental Pearl Tower ist sehr schön und man muss wirklich staunen wenn man Richtung Shanghai World Financial Center blickt und sieht, dass dies noch höher ist als der Jin Mao Tower. Richtig ins Staunen kommt man aber, sobald man wieder am Boden ist und nach oben schaut in dem Bewusstsein, gerade eine Höhendifferenz von 400 Metern im Aufzug zurückgelegt zu haben.
Auch die Geschichte des Stadtviertels ist beeindruckend: vor 15 Jahren befanden sich dort, wo heute ein paar der höchsten Hochhäuser der Welt stehen vorwiegend Reisfelder und Lagerhallen. Erst Mitte der 90er Jahre wurden erste Bauprojekte verwirklicht und inzwischen steht hier der dritthöchste Fernsehturm der Welt und mit dem Shanghai World Financial Center das dritthöchste Gebäude der Welt. Wo vor 15 Jahren Wald und Wiese waren leben heute 2 Millionen Menschen - das vermittelt glaube ich einen guten Eindruck vom rasanten Wachstum der Stadt.
Samstag sind wir dann vom Zentrum aus durch das französische Viertel gelaufen. In dem People's Park im Zentrum fand eine Art Heiratsbörse statt. Eltern hatten Steckbriefe von ihrem Sohn / ihrer Tochter ausgehängt mit den wichtigsten Angaben (Geburtsdatum, Größe,...) und versuchen so, passende Heiratskandidaten zu finden. Das wäre in Deutschland doch etwas befremdlich :-). Im französischen Viertel haben wir uns dann ein bis zwei Parks angeschaut und zwei Fußgängerzonen. Eine war sehr westlich und entsprechend exklusiv, eine eher chinesisch aber nicht weniger schön. Darüber hinaus haben wir uns ein traditionelles chinesisches Haus angeschaut, das in dem Stil von 1900 eingerichtet ist. Es zeigt zwar nicht wie der chinesische Durchschnitt lebte, sondern gehörte einer wohlhabenden Familie, aber es war sehr interessant, die damalige Einrichtung zu sehen.
Leider hatten die beiden Residenzen, die wir uns noch anschauen wollten, schon geschlossen, als wir bei ihnen ankamen. Diese Besichtigungen haben wir dann am Sonntag nachgeholt. In beiden Residenzen haben bedeutende chinesische (kommunistische) Politiker gelebt. In einer Residenz waren viele Schriftstücke und Dokumente ausgestellt. DIese war für uns nur bedingt interessant, da wir sie ja nicht lesen konnten. Die zweite Residenz war mehr von den Räumlichkeiten an sich und den Möbeln dominiert und somit spannender für uns. Im Anschluss haben wir uns die letzte Einkaufsstraße in dem Viertel angeschaut und danach ein paar Minuten des schönen Wetters im Jin'An Park genossen. Zwar findet man in Shanghai bei weitem nicht so viele und vor allem nicht so große Grünstreifen wie in München, ein paar schöne Parks sind jedoch vorhanden. Einer davon ist der Jin'An Park, der mit einem Teich und Wasserlauf, einem Felsabschnitt und vielen Bäumen und Hecken sehr schön angelegt ist.
Und dann war das Wochenende auch schon vorbei und gestern ist meine letzte Sprachkurswoche angebrochen. Die Zeichen bereiten mir zwar immer noch Schwierigkeiten, jedoch habe ich das Gefühl, mich mit der Sprache ein wenig besser im Alltag verständigen zu können. Heute habe ich die Uhrzeit gelernt und inzwischen kann ich schon kleinere Konversationn führen: neben meinem Namen kann ich sagen wo ich wohne, wie alt ich bin, was ich studiere, nach Preisen fragen, deutlich machen, wenn mir etwas zu teuer ist, und solche kleineren Dinge.
Damit ich auch weiterhin Fortschritte mache, werde ich für heute verabschieden und nun fleißig Vokabeln lernen.
Die Bilder der letzten Tage folgen!

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