Mittlerweile haben wir uns gut in Shanghai eingelebt. All zu viel gibt es jedoch nicht zu berichten. Denn aufgrund des eher dürftigen Wetters haben wir noch keine größeren Unternehmungen in Angriff genommen. Nachdem die ersten beiden Tage zwar ein wenig grau, aber doch angenehm warm waren, ist der Winter zurück gekehrt. Die Temperaturen bewegen sich irgendwo zwischen null und zehn Grad, dazu bläst meist ein eisiger Wind und in letzter Zeit öffnet der Himmel gerne seine Schleusen, was schonmal zu leicht überschwemmten Straßen führen kann. Immerhin, ab Mitte nächster Woche soll sich die Wetterlage zusehends bessern.
Jennys Sprachkurs hat bereits diese Woche begonnen, aber davon berichtet sie wahrscheinlich am besten selbst. Meine Veranstaltungen an der Uni beginnen kommenden Montag. Bisher musste ich nur des Öfteren zum Campus, um mich einzuschreiben, mir Kurslisten zu besorgen, den Studentenausweis abzuholen usw. Ich war also auch ohne Vorlesungen ganz gut beschäftigt.
Mit dem chinesischen Essen freunden wir uns immer besser an, was zu einem guten Stück auch daran liegt, dass wir unseren Mägen mittlerweile auch die Garküchen zutrauen. Jedennfalls die, die einen ordentlichen Eindruck machen. Wie bereits erwähnt, kann man hier zu Preisen essen, zu denen man selbst kaum kochen kann. Eine große Portion Nudeln oder Reis mit Gemüse, Fleisch und Soße bekommt man für etwas mehr als einen Euro. Die meisten Gerichte, die wir bisher probiert haben, waren recht lecker. Oftmals schärfer gewürzt als in Deutschland, aber geschmacklich teilweise fast ähnlich. Noch billiger wird es, wenn man sich zum Essen nicht setzt, sondern was zum Mitnehmen kauft. Dann gibt es Reispfannen bereits ab 50 Cent. Zum gleichen Preis gibt's auch einen kleinen "Döner", sprich ein Teigfladen, gefüllt mit Fleisch und Grünzeug - sehr schmackhaft, einer meiner Favoriten. Fast noch besser sind gefüllte Teigtaschen, faustgroß für ca.10 Cent das Stück. Bisher hatte ich immer nur solche mit Fleischfüllung erwischt, angeblich gibt's die aber auch mit Gemüse oder süßem Quark. Selbst kochen gestaltet sich dagegen ein wenig schwierig. Zum einen ist unsere Küche nicht all zu gut ausgestattet und die Anschaffungskosten für eine entsprechende Mindestausstattung würde sich wohl kaum rechnen. Außerdem haben wir keinen vernünftigen Kühlschrank. Zudem wäre es Mühsam, die diversen Zutaten selbst zu kaufen. In den Supermärkten kann man sich zwar durchaus grob zurecht finden, aber man weiß immer erst im Nachhinein, was genau man da gerade gekauft hat. Wurst und Käse stehen leider nicht besonders weit oben auf dem chinesischen Speiseplan. Das ist jedenfalls unser erster Eindruck. Und Teigwaren gibt es praktisch nur in süßlich, z.B. Hefzoppf oder -brötchen, außerdem süße Teilchen. Das ist zwar alles sehr lecker, aber auf die Dauer nicht sonderlich abwechslungsreich. Und leider hat unser "Stammbäcker" seit Tagen nicht geöffnet - nahe gelegen, doppelt so gut und nur halb so teuer wie die Konkurrenz. Hoffentlich macht der wieder auf... Wir werden ganz sicher auch weiterhin unbekannte Gerichte testen und so unserem Speiseplan zu ein wenig mehr Vielfalt verhelfen.
Auch ein paar Billardhallen und Pubs mit Billardtischen habe ich mittlwerweile ausfindig gemacht. Teilweise war das gar nicht so einfach. Zum einen, weil man sich mit den chinesischen Straßennamen nicht immer so einfach zurecht findet und einige Locations, die man im Internet gefunden hat, schlicht nicht da sind, wo sie laut Recherche sein sollten. Zum anderen, weil die Läden teilweise sehr versteckt sind, auch wenn man bereits die richtige Adresse gefunden hat. Mein Favorit ist hier eine Billardhalle im zehnten Stock eines Gebäudes, in dem eigentlich ein Krankenhaus beheimatet ist. Es existiert natürlich kein Hinweisschild. Und auch der Haupteingang führt nicht ans Ziel. Nein, man muss durch einen Seiteneingang und wissen, welchen Fahrstuhl man zu nehmen hat. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viele (des Englischen nicht mächtige) Chinesen ich, vor dem richtigen Haus auf der Straße stehend, ansprechen musste, bis ich endlich am Ziel war. Gestern Abend habe ich dann auch das erste Mal zum Queue gegriffen. In einem sehr netten Pub. Leider mit zu wenigen Tischen. Gespielt wird dort daher 8-Ball, Gewinner bleibt am Tisch. Soweit so gut, wäre da nicht die lange Warteliste gewesen. Nach zwei Stunden war ich dann endlich am Zug, das dann aber auch für über eineinhalb Stunden. Die anderen Spieler hat das glücklicherweise nicht zu sehr gestört. Im Gegenteil, wann bekommt man als Mann mal einen Drink ausgegeben? Insgesamt ein wirklich witziger Abend in bester Pub-Atmosphäre. Künftig werde ich aber auch noch die eher sportlicher orientierten Locations testen.
Freitag, 5. März 2010
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